Bericht zum Fernwehfestival 2020

Göttingen, 16.01.2020

Beim diesjährigen Fernwehfestival www.fernwehfestival.de konnten wir einen besonderen Gast begrüßen: die Menschenrechtsaktivistin Shahindha Ismail von den Malediven.

Gemeinsam mit ca. 50 interessierten BesucherInnen startete Shahindha Ihren Vortrag mit den Worten „Malediven – definitiv kein Paradies!“

Zunächst gab es ein paar – für die meisten sicherlich überraschende – Informationen zu den Malediven. So sei z.B. ihre Heimatstadt und Hauptstadt der Malediven Male sei so klein, dass sie diese in ca. 45 min zu Fuß umrunden könne. Zugleich sei Male eine der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt mit über 150.000 BewohnerInnen, Shahindha nennt Male daher den „Betondschungel“.

Sie gab anschließend einen Überblick über Problemfelder der Malediven: eingewanderte Arbeitskräfte ohne legalen Status („moderne Sklaverei“), Korruption, Nichtbeachtung von Umweltschutzauflagen, was für den Inselstaat besondere Bedeutung hat, da der höchste Punkt der Malediven nur 10m über dem Meeresspiegel liegt, sowie zunehmender Einfluss von religiösem Extremismus.

Dies stellt auch einen Schwerpunkt und zugleich besondere Herausforderung für die MDN (Maldivian Democracy Network) dar. Shahindha gründete diese Organisation vor 14 Jahren und setzt sich seither für die Einhaltung der Menschenrechte ein.

Shahindha berichte von den unzähligen Morddrohungen und Einschüchterungsversuchen, denen sie und ihre Mitarbeitenden zunehmend ausgesetzt sind. Um ihre Tochter bei ihrem letzten Schuljahr begleiten zu können, sei sie nach einem Auslandaufenthalt trotzdem nach Male zurück gekehrt, habe jedoch kaum noch ihr Appartement verlassen können. Seit April 2019 sei sie nun auf Einladung der Stiftung für politisch Verfolgte in Hamburg. Mittlerweile habe sich die Situation noch verschlechtert und die MDN sei im November 2019 verboten worden. Sie arbeite jedoch weiterhin von Deutschland aus daran, dass die Organisation wieder zugelassen werde und weiter arbeiten könne.

Auf interessierte Nachfragen aus dem Publikum zeigte Shahindha Zusammenhänge zwischen Politik, Tourismus (viele Resorts gehören Politikern) und dem Instrumentalisieren von Religion auf.

„Solle man denn (weiterhin) auf die Malediven reisen?“ – Hierauf antwortete Shahindha, dass Reisen in kleine lokal geführte Hotels oft eine gute Möglichkeit bieten, das Einkommen Einheimischer zu verbessern und auch kulturellen Austausch zu ermöglichen. Es sei wie beim Einkaufen im Supermarkt, auch dort wäre es gut bewusst einzukaufen – das selbe gelte auch für den Tourismus.

Zum Abschluss der Veranstaltung standen die meisten der sichtlich beeindruckten BesucherInnen an, um eine Petition zur Unterstützung von Shahindha, ihren MitarbeiterInnen und ihrer Organisation zu unterschreiben.

Ein kleiner Eindruck vom Festival kann auch über die Videos von Gustavo Moreno Morales gewonnen werden, der beim Festival anwesend war und Shahindha und uns interviewt hat:

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