Einzelfall

Überall auf der Welt setzt sich Amnesty International für Menschen ein, deren Menschenrechte eingeschränkt werden. Unsere Amnesty Gruppe beschäftigt sich zur Zeit mit dem Fall des Gründers eines Migrantenzentrums in Mexiko: Fray Tomás.

Fray Tomás c) Amnesty International

 

Fray Tomás González ist ein katholischer Priester und Franziskanerpater, der 2011 in Tenosique, gelegen in Tabasco (Mexiko), eine Einrichtung für Migranten begründet hat, in der er zusammen mit seinen Mitarbeitern Menschen vorübergehende Zuflucht und Hilfe bietet. Das Migrantenzentrum trägt den Namen „La 72“, in Erinnerung an 72 südamerikanische Frauen und Männer, die 2010 im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas dem organisierten Verbrechen zum Opfer fielen und in einem Massengrab verscharrt wurden.

Jährlich durchqueren Tausende von Migrantinnen und Migranten aus Süd- und Mittelamerika Mexiko auf ihrem Weg in die USA, wobei sie häufig Opfer von Gewalt werden, in Form von Überfällen, Erpressung und Mord. Manche kommen auch bei dem Versuch zu Tode, auf fahrende Züge aufzufahren, die in Richtung Norden fahren, oder verletzten sich schwer. Viele Migranten verschwinden, ohne das ihr Schicksal aufgeklärt wird.

Die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, die an den Migranten begangen werden, gehen meist von organisierten Verbrecherbanden und Drogenkartellen aus. Manchmal besteht auch eine Vernetzung zu korrupten staatlichen Institutionen wie Bundespolizei und Lokalbehörden. „La 72“, das nur wenige Kilometer von der guatemaltekischen Grenze entfernt liegt, ist seit der Gründung zur Zielscheibe massiver Drohungen von Seiten dieser Gruppen geworden, da dort nicht nur humanitäre Hilfe in vielfältiger Form geboten wird, sondern weil dort auch alle Verstöße gegen die Rechte von Migranten dokumentiert werden, die diesen von krimineller und staatlicher Seite zugefügt werden. Fray Tomás wird immer wieder anonym bedroht und auch Morddrohungen hat es gegen ihn und einige seiner Mitarbeiter gegeben. Die Interamerikanische Menschenrechtskommision hat 2013 für alle Mitarbeiter und Migranten im „La 72“ Schutzmaßnahmen angeordnet. Diese sind aber nicht vollständig umgesetzt worden, insbesondere nicht der Schutz durch die Bundespolizei. Zudem verweigerte die Bundesgeneralstaatsanwaltschaft, entgegen früherer Aussagen, Informationen bezüglich Drohungen und Einschüchterungen gegen das Herbergenpersonal.

Amnesty International setzt sich dafür eine, dass das Personal der „La 72“ in Sicherheit und Freiheit ihrer Arbeit nachgehen können, und das die Migrantinnen und Migranten vor Übergriffen und Gewalt geschützt werden.

18. Mai 2020